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2000 / BAD WALTERSDORF

14. IGEB Konferenz in Bad Waltersdorf, Österreich, 17. bis 20. Juli 2000

Friedrich Anzenberger, Kirchstetten/Österreich

Fünf Tage lang war die Steiermark (Österreich) Zentrum für den Erfahrungsaustausch von internationalen Wissenschaftlern, die sich mit Blas- und Bläsermusik beschäftigen und sich alle zwei Jahre zu einer Tagung treffen.
Das Eröffnungskonzert des Kongresses bestritt das Symphonische Blasorchester Sophia (Bulgarien) unter der Leitung von Vesselin Baychev und mit der Solistin Denitza Laftschieva (Klarinette). Mit Werken von Bach, Schostakowitsch, Tschaikowsky, Saint-Saëns, Marin Goleminoff (*1908), Alexander Tanev (1928-1996), Alfred Schnittke (1934-1998), Ivan Spassow (1934-1996) und Krassimir Kjurtschijsky (*1936) brachten sie einen Querschnitt durch die verschiedenen Bereiche der symphonischen Blasmusik.
Der wissenschaftliche Teil des Kongresses widmete sich einem sehr breit gefächerten Themenbereich: die Militärmusik in Österreich im 19. Jahrhundert, Komponistenporträts und die Literatur für Blas- und Bläsermusik, die verschiedenen Organisationsformen im Blasmusikbereich im internationalen Zusammenhang und der Bedeutung der Blasorchester und -ensembles am amerikanischen Kontinent. Die Militärmusik in der österreich-ungarischen Monarchie war Thema der Vorträge von Elisabeth Anzenberger-Ramminger (Österreich): Armeekapellmeister Andreas Leonhardt, Eva Slavícková (Tschechien): Militärmusik in Olomauc in den Jahren 1848-1918 vor dem Hintergrund der Militärmusik in Österreich im 19. Jahrhundert, Marianna Bárdiová (Slowakei): Quellen zur Geschichte der Bläsermusik/Blasmusik in der Slowakei, Eugen Brixel (Österreich): Zur Geschichte der Militärmusik im k.u.k. Infanterieregiment Nr. 47, Bernhard Habla (Österreich): Harmoniemusik - Türkische Musik - Militärmusik. Skizzen zur Besetzung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sowie der Autor dieser Zeilen mit einem Beitrag über den Militärkapellmeister und Marschkönig Josef Franz Wagner. Verschiedene Komponisten und Literatur für Blasmusik behandelten die Referate von Zoltán Falvy (Ungarn): Blasmusikalische Raritäten aus Ungarn (18. bis 19. Jahrhundert), Paul Niemisto (USA): Brass Bands in Finland - In the Beginning and Now, Jon Mitchell (USA): Imogen Holst (1907-1984). The Unfortunate Traveler, Friedericke Brüggemann (Österreich): Komponistenportrait Werner Brüggemann, Francis Pieters (Belgien): Belgische Marschkomponisten, Gunther Joppig (Deutschland): Kompositionen für Blasorchester im Dritten Reich, Manfred Büttner (Deutschland): Neue bläserspezifische Literatur in der evangelischen Kirchenmusik, Keith Kinder (Kanada): Franz Liszt and Wilhelm Wieprecht: A Remarkable Friendship, und Leena Heikkilä (Finnland): Holger Fransman - ein Pionier der finnischen Hornschule. Zu Strukturen und Organisationsformen sprachen Karl H. Vigl (Italien): Umbruch und Aufbruch durch Verbandsgründung in Südtirol, Werner Kunath (Deutschland): Das Amateurblasmusikwesen in der ehemaligen DDR und Johann Mösenbichler (Österreich): Wertungsspiele: zeitgemäße Form der Fortbildung. Die Referate von Raoul Camus (USA) mit Arthur Pryor, der Paganini der Posaune, Robert Grechesky (USA): The Influence of Ralph Vaughan William´s Brass Band Music and his Orchestra Compositions, Diana Eiland (USA): J. C. McCanles and the Early College Band Music Movement in the United States und Helmut Brenner (Österreich) mit Gebrauch und Funktion von Blasinstrumenten in Südmexiko widmeten sich der Blasmusik in der Neuen Welt.

Im Rahmen der Tagung fand auch die Generalversammlung der IGEB mit der Neuwahl des Präsidiums statt. Dr. Wolfgang Suppan, der im Jahre 1974 durch die Gründung der IGEB den Forschungsgegenstand "Blasmusik/Bläsermusik" in der musik- und kulturhistorischen Forschung den heutigen internationalen Stellenwert verschafft hat, legte nach 26-jähriger hervorragender Pionierarbeit das Amt des Präsidenten zurück.
Die bisher erschienen 22 Bände der IGEB-Buchreihe "Alta musica", die wechselweise als Monographien und als Anthologien erscheinen, spiegeln die reiche und qualitätsvolle Arbeit der Mitglieder der Gesellschaft wider.
Zum Nachfolger Wolfgang Suppans wurde einstimmig der bisherige Generalsekretär der IGEB, Bernhard Habla, gewählt. Dr. Habla ist seit 1983 am Institut für Musikethnologie der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz tätig, seit 1990 an der Pannonischen Forschungsstelle, die in diesem Jahr an der Expositur Oberschützen der selben Hochschule eingerichtet worden war. Seit 1997 ist er auch wissenschaftlicher Leiter des Österreichischen Blasmusikmuseums in Oberwölz (Österreich). Zahlreiche Publikationen zeugen von seiner umfassenden wissenschaftlichen Tätigkeit. Neuer Generalsekretär der IGEB wurde der Verfasser dieser Zeilen.

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