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1996 / MAINZ

12. Konferenz der Internationalen Gesellschaft zur Erforschung und Förderung der Blasmusik (IGEB)
vom 10. bis 15. Juli 1996 in Mainz / Deutschland

"Blas- und Bläsermusik - Beziehungen zur Öffentlichkeit im 19. und 20. Jahrhundert
- Die Bedeutung für Bildung, Kultur, Politik und Militär"

Bernhard Habla, Graz/Österreich

Vom 10. bis 15. Juli 1996 trafen sich zum zwölften Mal Wissenschaftler, Dirigenten, Musiker und Verleger im Rahmen einer internationalen Tagung der Internationalen Gesellschaft zur Erforschung und Förderung der Blasmusik (IGEB), um in Referaten und Gesprächen neue Erkenntnisse zur Forschung im Bereich der Blasmusik auszutauschen. Als Gastgeber fungierte das Institut für Musikwissenschaft der Universität Mainz mit seinem Vorstand Prof. Dr. Christoph Hellmut Mahling und seinen Mitarbeitern. Die in der Eröffnungsrede von Prof. Mahling angeklungenen Schwierigkeiten bei den Vorbereitungen, die auf allgemeine Sparmaßnahmen zurückzuführen sind, wurden von den Teilnehmern nur wenig, wenn überhaupt, wahrgenommen und die Tagung konnte reibungslos und erfolgreich verlaufen. Dem Veranstalter wurde von IGEB-Präsident Prof. Dr. Wolfgang Suppan bei der Konferenz-Eröffnung herzlicher Dank für die Vorbereitung und Durchführung der Tagung ausgesprochen.

Die 51 Referate sind als Mammut-Programm anzusehen. Teilweise wurden die Referate in parallelen Sitzungen gehalten, so dass es schon zeitlich gar nicht möglich war, allen Referenten zuzuhören. Aus Platz- und Objektivitätsgründen wird hier deshalb nicht auf einzelne Referate eingegangen, sondern ein Überblick über die Themengruppen gegeben. Jedoch werden die Beiträge in einem Tagungsband der Reihe Alta musica, bzw. Referate für einen breiteren Interessentenkreis, in der Fachzeitschrift Clarino veröffentlicht werden.

Im Themenkomplex Militärmusik wurden vor allem das Wesen von öffentlichen Konzerten von Militärorchestern in Deutschland untersucht, weiters wurden Forschungen im Bereich der bayerischen, der sächsischen, der slowakischen, der US-amerikanischen und der Prager Militärmusik vorgestellt, wobei teilweise wissenschaftliches Neuland betreten wurde. Zwei Beiträge beschäftigten sich mit der aktuellen Situation der Militärmusik in der deutschen Bundeswehr. Thematisch daran anschließend, kamen in der Rubrik Blasmusik und Gesellschaft Themen zum Vortrag, die sich mit der Bläsermusik und Blasmusik im frühen 19. Jahrhundert, dem Konzert im 19. Jahrhundert sowie den politischen Aspekten der Blasmusik im kommunistischen Russland zwischen 1917 und 1985 und in Osterreich nach 1938 beschäftigten.

Pädagogischen Aspekten der Bläsermusik war ebenfalls ein ganzer Tag gewidmet. Die Themen reichten von Jugendlichen- und Erwachsenenbildung über musikalische Erziehung bis zur amerikanischen Schul-Blasmusikbewegung. Obwohl dieser pädagogische Bereich der Blasmusik von Insidern erkannt wird, wird er im Allgemeinen in seiner Bedeutung doch häufig unterschätzt und leidet teilweise an fehlender Anerkennung von öffentlicher Seite.

Von großem Interesse bei allen IGEB-Konferenzen sind Referate zum Themenkreis Entwicklungen auf dem Gebiet der Blasmusik in außereuropäischen Staaten, können hier doch häufig vollkommen unbekannte und ungeahnte Blasmusikbewegungen kennen gelernt werden. Angesprochen wurden US-amerikanische Zirkus-Komponisten, Blasmusik in Südafrika sowie in Mexiko.

Einzelne Instrumente sowie Musik für Bläserensembles kamen in der Rubrik Zur Geschichte der Musik für Bläser zur Sprache. Anzumerken ist, dass zu diesem Themenbereich auch Studenten und Mitarbeiter des Mainzer Instituts Beiträge lieferten. Weitere Themenbereiche bildeten Blasinstrumente und Kirchenmusik mit Referaten zur evangelischen Kirchenmusik, zur Barocktrompete und zur Fronleichnamsmusik, Musikalische Lokalgeschichtsforschung und Fragen zu musikalischen Quellen.

Rahmenprogramm

Im musikalischen Mittelpunkt des Rahmenprogramms sind das Konzert des Luftwaffenmusikkorps 2, Karlsruhe unter der Leitung von Oberstleutnant Simon Dach und ein Brass-Quintett-Konzert im malerischen Innenhof des Verlagshauses Schott in Mainz zu nennen. Das Luftwaffenmusikkorps bot zunächst einen Querschnitt durch die deutschen Marschmusikgeschichte, dem die bekannte Sonatina für Pauken und Blasorchester (Solist Karel Kohlroß) von Alexander Tscherepnin und die Armenischen Tänze von Alfred Reed folgten. Der zweite Teil des Konzertes war Potpourris aus Hits von Katherina Valente, dem Dschungelbuch und Batman gewidmet. Der Schlussmarsch Keep swinging stammte vom Orchestermitglied und bekannten Komponisten Roland Kreid.

Im Gegensatz dazu bot das Brass Quintett Splendid Brass im "Weihergarten", dem Innenhof des Schott-Verlagshauses, zeitgenössische Musik für Brass-Quintett in großer Vollendung und spannenden Interpretationen.

Als Sonntags-Morgengruß begrüßte ein Fagott- Trio, zusammengestellt aus Mitarbeitern des musikwissenschaftlichen Instituts, die Referenten und Zuhörer mit Musik von Weissenborn, der zahlreiche reizende Trios für Fagotte komponiert hatte. Die Musiker erhielten von den anwesenden lange anhaltenden Beifall für ihre Vorträge.

Zum Abschluss der Tagung waren alle Referenten mit Begleitung zu einer Besichtigung der St. Valentin-Kirche in Kiedrich eingeladen, was großen Anklang fand. Stil und Geschichte dieser gotischen Kirche wurde umfassend vom Organisten erklärt, der es sich nicht nehmen ließ, auf der historischen Orgel, die mitteltönig gestimmt ist, auch klangliche Kostproben zu geben.

Bei der Generalversammlung der Internationalen Gesellschaft zur Erforschung und Förderung der Blasmusik konnten Alois Brandenberg und Tomas Hancl aus den Händen von IGEB-Präsident Prof. Wolfgang Suppan die Ernennungs-Urkunden zu Ehrenmitgliedern in Empfang nehmen. Beide Jubilare hatten sich in langjähriger Mitgliedschaft in besonderer Weise um die IGEB verdient gemacht.

[Mitteilungsblatt 1996/Doppelheft 2/3, Dezember]

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