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1985 / USTER - GRAZ
Berichte über die 6. Fachtagung der Internationalen Gesellschaft zur Erforschung und Förderung
der Blasmusik und des Symposions
„Die Bedeutung der Blasinstrumente im Schaffen von Johann
Joseph Fux"
Bernhard Habla, Graz
In der Zeit vom 26. bis 28. September 1985 fand die 6. Fachtagung der Internationalen Gesellschaft
zur Erforschung und Förderung der Blasmusik mit dem Thema "Blasorchesterpraxis - heute" im
Rahmen der Festlichen Musiktage in Uster/Schweiz statt. Damit folgte die Gesellschaft zum dritten
Mal einer Einladung des Initiators der Festlichen Musiktage Uster, Herrn MD Albert Häberling, die
Tagung im Rahmen von Blasmusikuraufführungen abzuhalten. Im ersten Referat gab Jean-Marie
Xhonneux (Moresnet, Belgien) einen Überblick über die Blasmusikentwicklung und das Repertoire
der zeitgenössischen Kapellen in Belgien. Thomas Hancl (Ostrava, CSSR) sprach über die
Blasorchesterabstufungen und zeitgenössische tschechische Originalkompositionen für
Blasorchester. Ein weiteres Überblicksreferat hielt Antonio A. Bispo (Brasilien), der die Bedeutung
der brasilianischen Blaskapellen als Pfleger von traditionellen Überlieferungen besonders
hervorhob und auf die speziellen Probleme bei der Erforschung der brasilianischen Blasmusik
hinwies. Über die geschichtliche Entwicklung des Blasmusikwesens in Luxemburg referierte
Daniel Lieser (Luxemburg), und Erich Tremmel (Augsburg, BRD) sprach in seinem
Dissertationsbericht über die Anfänge der Blasmusik in bayrisch Schwaben. Einen anderen
Themenkomplex bildeten die Referate über einzelne Instrumente. Gunther Joppig (Harnburg, BRD)
ging der Frage nach, wer das moderne Kontrafagott wirklich erfunden hat und untersuchte
Instrumente der Firmen Stritter und Heckel. Während Michael Nagy (Wien, Österreich) allgemein
über die Geschichte und die Verwendung der Mehrklangtechnik auf Blasinstrumenten sprach, ging
Heinz Riedelbauch (Koblenz, BRD) konkret auf die Möglichkeiten der Mehrklangtechnik beim
Fagott ein und machte auch praktische Vorführungen. Erich Schneider (Bregenz, Österreich)
untersuchte in seinem Referat die Funktion und Bedeutung von Blasinstrumenten in alemannischen
Sagen und stellte ihre oft mythische Bedeutung heraus. Kriegerische Marschtitel und eine
demnächst erscheinende Trompetenbibliographie waren der Inhalt des Vortrages von Christian
Blümel (Münster, BRD). Die Probleme der Umarbeitung von alter Musik für modernes
Blasorchester brachte Uwe Wolf (Münster, BRD) zur Sprache und stellte damit eine Verbindung
von alter Musik zur zeitgenössischen Blasorchesterliteratur her, deren Entwicklung im Referat von
Wolfgang Suppan (Graz, Österreich) für die Zeit nach 1945 aufgezeigt wurde. Einem ganz
speziellen Thema war das Referat von Leon J. Bly (USA, dzt. Stuttgart, BRD) gewidmet, der
sämtliche für die "Festlichen Musiktage Uster" komponierten Werke untersuchte. Im
Dissertationsbericht von Josef Heckle (Freiburg, BRD) wurde grundsätzlichen Fragen zur
Aufführung von sinfonischer Blasmusik nachgegangen. Die Instrumentation für Blasorchester war
Gegenstand zweier Referate, wobei Eugen Brixel (Graz, Österreich) von der zeitgenössischen
österreichischen Blasmusikpraxis ausging und im Dissertationsbericht von Bernhard Habla die
Entwicklung der Instrumentation im 19. Jahrhundert im Vordergrund stand. Den
Abschluss der
Vorträge bildeten die praktischen Schlagzeugvorführungen von Peter Hudec (Weingarten, BRD),
der die Handhabung und Einsatzmöglichkeiten von Schlag- und Effektinstrumenten im
Blasorchester demonstrierte.
In Verbindung mit den "12. Festlichen Musiktagen Uster 85", bei denen 15 Blasorchesterwerke (s.
Mitteilungsblatt 17) zur Uraufführung kamen, wurde eine gute Verbindung von Theorie und Praxis
geschaffen, die allen Teilnehmern Anregungen und Diskussionsstoff gab.
Einem anderen Themenkomplex war das Symposion "Die Bedeutung der Blasinstrumente im
Schaffen von Johann Joseph Fux" gewidmet, das am 24. und 25. Oktober 1985 in Zusammenarbeit
mit der Johann Joseph Fux-Gesellschaft, die dieses Jahr ihr 3Ojähriges Jubiläum feiert, und dem
Institut für Blasmusikforschung an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz
veranstaltet wurde.
Nachdem die Begrüßungsworte von Prof. Dr. Berthold Sutter, dem Präsidenten der Johann Joseph
Fux-Gesellschaft, gesprochen waren, überbrachte Prof. Jungwirth in Vertretung des steirischen
Landeshauptmannes seine Grüße und wünschte dem Symposion einen guten Verlauf. Der Rektor
der Musikhochschule, Prof. Dr. Otto Kolleritsch, erwähnte anschließend in seiner kurzen
Ansprache, dass Werke des steirischen Komponisten Fux wieder häufiger gespielt werden, und
Prof. Dr. Wolfgang Suppan leitete anschließend zum Thema des Symposions über, in dem er die
Bedeutung Fux' als Hofkapellmeister in Wien hervorhob.
David Whitwell (Los Angeles, USA) ging in seinem Referat auf die Besetzungen der Bläser-Ensembles im Barock und auf deren zeitliche Einbettung zwischen Renaissance und Klassik ein.
Herbert Seifert (Wien, Österreich) stellte fest, dass in der kaiserlichen Hofkapelle zur Zeit von J. J.
Fux oft französische Bläser angestellt waren. Die Situation zur Zeit des Fux-Schülers J. D. Zelenka
in Dresden zeigte Herbert Heyde (Dresden, DDR). Über das steirische Zentrum der Barockmusik,
dem Ferdinandeum in Graz, referierte Eugen Brixel (Graz, Österreich). Wolfgang Suppan (Graz,
Österreich) erörterte in seinem Vortrag die Möglichkeiten und Chancen einer Renaissance von
Fux'scher Musik vor allem im Bereich der Bläsermusik, Bläser der Grazer Musikhochschule
demonstrierten etliche Möglichkeiten in verschiedenen Besetzungen. Die hohen
Holzblasinstrumente, wie Chalumeau und Oboe, waren Gegenstand des Referates von Gunther
Joppig (Harnburg, BRD), Michael Nagy (Wien, Österreich) behandelte die tiefen Instrumente im
Schaffen von J. J. Fux. Die verschiedenen Block- und Querflöten-Typen und deren Musik im
süddeutschen Raum des frühen 18. Jahrhunderts beschrieb Ernst Kubitschek (Innsbruck,
Österreich), die Verwendung des Zinken in Verbindung mit anderen Instrumenten von ca. 1650 bis
1750 war der Inhalt des Vortrages von Markus Spielmann (Innsbruck, Österreich). Die
Blechblasinstrumente im allgemeinen und speziell im Schaffen von J. J. Fux kamen in den letzten
drei Referaten zur Sprache. Friedrich Körner (Graz, Österreich) demonstrierte anhand von sechs
verschiedenen Trompeten, von der gewundenen Naturtrompete bis zur modernen Piccolo-Trompete
die verschiedenen Klangcharakteristika der Instrumente und deren Wirkung in barocker Musik.
Detlef Altenburg (Detmold-Paderborn, BRD) ging auf die technischen Möglichkeiten der
Naturtrompete und der sozialen Stellung von Trompetern zur Fux-Zeit ein. Klaus Winkler (Mainz,
BRD) konnte in seinem Referat die Beliebtheit von Fux'schen Posaunensonaten zu dessen
Lebzeiten und auch nach seinem Tod aufzeigen und ging auf die Verwendung des Instrumentes im
kirchenmusikalischen Bereich ein.
In den Schlussworten von Prof. Dr. Berthold Sutter kam die Bedeutung des Schaffens von
Hofkapellmeister J. J. Fux zur Sprache und Prof. Dr. Wolfgang Suppan stellte die Hohen
Ansprüche des gebürtigen steirischen Komponisten in den Vordergrund, der am Wiener Hof die
besten Musiker zur Verfügung haben konnte und drei Kaisern diente.
Höhepunkt des Symposions war sicherlich der Festakt am 24. 10. 1985
anlässlich des 30jährigen
Bestehens der Johan Joseph Fux-Gesellschaft mit dem Festvortrag von Berthold Sutter und dem
anschließenden Empfang beim Landeshauptmann der Steiermark im Weißen Saal der
Grazer Burg.
Mit neuen Gedanken und Erkenntnissen wurde die Tagung beendet und auf das nächste
Jubiläumsjahr 1991, dem 250. Todesjahr von J. J. Fux, hingewiesen.
[Mitteilungsblatt Nr.18, März 1986]

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